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„Wir wollen versuchen, es deutlicher zu erklären: den Verlust der Übereinstimmung einer Person mit sich selbst zu bezeugen, das Ich aufzulösen, das ist die glanzvolle Trophäe […]. Aber gerade die Auflösung des Ich ist nun nicht mehr die pathologische Bestimmung, sondern wird die höchste Macht, die reich ist an positiven und heilbringenden Versprechen. Und das Ich ist nur „ausschweifend“, weil es vorher bereits aufgelöst ist: nicht nur das Ich, das angesehen wird, das unter dem Blick seine Übereinstimmung mit sich selbst verliert, sondern auch das Ich, das ansieht und das sich außerhalb seiner selbst stellt, das sich während seines Sehens vervielfacht.1“ schreibt Gilles Deleuze über die „Sprachen des Körpers“ und markiert damit die sich im menschlichen Blick manifestierende Lacansche Subjekttheorie: das Außen im Innen. Wir folgen Deleuze weiter und landen auf „Tausend Plateaus“: „Schichten haben große Mobilität. Jede Schicht kann einer anderen immer als Substratum dienen oder an eine andere angrenzen, unabhängig von einer Evolutionsordnung. Und vor allem gibt es zwischen zwei Schichten oder zwei Aufteilungen von Schichten Phänomene von Zwischenschichten: Transcodierungen und Übergänge zwischen Milieus, Vermischungen. Die Rhythmen beruhen auf diesen interstatischen Bewegungen, die auch Stratifizierungsvorgänge sind. Die Stratifizierung ist so etwas wie die Erschaffung der Erde aus dem Chaos, eine andauernde wiederkehrende Schöpfung. 2 “ Der damit beschriebene generative Prozess und sein wohl ungewisser Endpunkt, gibt bloßen Halt in der zugrundeliegenden Subjekt-Konstitution: In mitten des Innen persistiert längst das Außen. Und im Außen beginnt sie zu entstehen: Die Möglichkeit von Erfindung. Den Körper erfinden wir nicht, er erfindet uns. Der Mensch – gefangen im Körper – erfindet lediglich Möglichkeiten um den Körper zu „manipulieren“. Eingriffe finden statt, Eingriffe die nicht notwendigerweise die Physiognomie betreffen, es aber immer öfter tun – sei es in „realer“ Erscheinung oder in den technischen Bildern. Manipulieren oder Eingreifen, das bedeutet immer künstlich zu „handeln“.

1 Deleuze, Gilles (1979): Pierre Klossowski oder Die Sprache des Körpers. In: Sprachen des Körpers : Marginalien zum Werk von Pierre Klossowski, Berlin: Merve, S. 41f

2 Deleuze, Gilles; Guattari, Félix (2010): Tausend Plateaus : Kapitalismus und Schizophrenie.. Berlin: Merve, S. 696

Durch die wärmebasierenden entropischen Vorgänge beginnen sich Partikel zu bewegen, ihre Mikromobilität führt schnell zu einem Fließen ganzer Schichten. Das Stratum, die Schichtung, gerät in Bewegung. Das Fließen offenbart sich uns als stetig ruhiges Schmelzen. Es ist dies jedoch kein Schmelzen von Schichten in Richtung einer Auflösung bis zur totalen Absenz des Einen. Es ist vielmehr das komplette Gegenteil. Das Subjekt konstituiert sich erst im die Spaltung auflösenden Verschmelzen. Betrachten wir Lacans blicktheoretische Überlegungen und konzentrieren uns in der Installation auf die Trennlinie zwischen den beiden Körperfiguren, so wird daraus plötzlich etwas ganz anderes: Der scheinbar trennende Vektor welcher die sich am Beginn des Prozesses noch spiegelnden Körperbilder voneinander trennt; ja diese sogar zwingt sich gegenseitig gegenüberzustellen, wird nun plötzlich zum Sinnbild des Lacanschen Blicks – der Blick der ausgehend vom Lichtpunkt im Tableau erscheint. Mit „Tableau“ sei das gemeint, was vom Blick erfasst wird3. Das Tableau ist der Anblick, aber nicht der Anblick, den man dadurch bekommt, dass man etwas ansieht, sondern der Anblick, in dem man selbst von einem Blick erfasst wird. Der im Feld des Anderen verortete Blick richtet sich auf das Subjekt. Der An-Blick, der sich für den Blick ergibt, ist das Tableau. Die sinnbildlichen Körper verschmelzen nicht, sie gehen über.

– Alexander W. Schindler, Berlin, 2017

3 Lacan, Jacques (1980): Das Seminar. Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse, Walter-°©‐Verlag, S. 102

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Die Konstituenten uns umgebender Architekturen haben seit jeher symbolisch vermittelnden Charakter. Schwierig abzustreiten, dass den zur Anwendung kommenden Materialitäten eine Eignung zum Medium zugrunde liegt und den bauwerklichen Objekten ist damit eine Wirkung über ihren ursprünglichen Nutzen hinaus zuzugestehen. Im Kontext einer urbanisierten Gesellschaft mit ihren fragilen digitalen Medientechnologien erleben die Flächen der stabilen Bauwerke damit in vielen Bereichen eine Art Renaissance.
Beton-bauliche Werke prägen das Bild des öffentlichen Raums. In ihrer Erscheinungsmasse und –vielfalt als vertikale und horizontale Konstruktionen und Dekonstruktionen werden sie zu Trägern von Informationen deren Decodierung dem Menschen Wille und Aufgabe zugleich darstellt. Dieses Phänomen der medialen Wirkung architektonischer Ästhetiken steht im Mittelpunkt der ausgeführten Bildproduktionstechnik durch Sublimationsdruck auf stabilisierte Betonflächen.

Im Stadtbild als glatt empfunden ist es die feine Porosität der Betonplatten die den Reiz ausmacht diese als Bedruckflächen zu nutzen. Die Granulierung des Betons in der hier vorfindbaren bildgebenden Anwendung zu negieren, stellt für die Gestaltung keine spannende Option dar. Materialeigenschaften werden hier vielmehr zum Thema und zur visuellen Art und Weise der geschaffenen Werke. Zu diesen Eigenschaften zählt dabei auch die Stabilität dieser aus Beton gemachten Platten, welche durch jüngst innovierte Technologie gewährt wird. Carbon ersetzt hier nun schwerfälligen Stahl und die entstandene Kombinatorik des Carbonbetons kann als paradigmatischer Wandel für die Betonormung angesehen werden. Was zuvor als dickwandige brammenähnliche Platte angelegt war, wirkt nun wie eine schlanke Leinwand – eine Leinwand höchster materieller Spannkraft.

Alexander Schindler, 2017

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Den Gedanken des us-amerikanischen Pragmatikers Charles Sanders Pierce folgend, kann die Flagge einer Nation vorerst als prototypisches Symbol innerhalb der modernen Zeichentheorie angesehen werden. Sie ist Symbol, da sie als abstrakte Erscheinung erst durch ihre Verwendung darauf hinweisen kann wofür sie steht: einen Staat als System politischer Ordnung. Diese reine Symbolhaftigkeit, wie sie auch der us-amerikanischen Flagge zuzuschreiben ist, kann dabei aber nicht als genuines Merkmal von Flaggen per se angesehen werden – gibt es doch ebenso ikonische Embleme, die beispielsweise durch Bilder oder Konturen von Landesgrenzen Hinweise geben worauf die Flagge verweisen will. Die semiotische Kategorisierung nach Sanders greift somit nicht pauschal. Es gilt demnach die Flagge in ihrer Symbolik als Einzelerscheinung zu betrachten und damit den Staat für welchen diese steht in die Betrachtung miteinzuschließen. Wenn wir versuchen die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika als ein Ikon (oder Similes) zu betrachten, also als eine nachahmende Repräsentation eines „Dings“, dann kann der Verweis wohl bloß auf ein Dispositiv zurückführen: rasante Transformation. Zwar lediglich durch ein Kontextwissen möglich, jedoch dann gleichwohl evident, deutet das Verhältnis von Linien zu Sternen auf den Transformationsprozess dieses Staates hin. Wo ursprünglich noch der Union Jack seinen Platz fand strahlen nun die, die Bundesstaaten repräsentierenden, Sterne auf blauem Himmelsgrund. Zweiseitig umschlossen von den rot-weißen Linien deren Anzahl auf die kolonialen Gründungsstaaten hinweist. Die wahrnehmbaren abstrakten grafischen Elemente zeugen demnach von der Wandlung dieses Staates. Grafisch betrachtet lässt sich hierbei jedoch wohl kaum von einer fließenden Veränderung, sondern vielmehr von einem Aufeinanderprallen sprechen. Das landläufig übliche Material für Fahnen, textiler Stoff, eignet sich in seiner geschmeidigen Formbarkeit für das heroische Wehen im Wind – zahlreiche Dokumente und alltäglich Beobachtbares kunden davon. Textil ist edel und angreifbar zugleich. Dieses Material gilt es mit Feingefühl zu behandeln – die Flagge, in den Augen der Patrioten, mit Ehrgefühl. Widersteht man diesem patriotischen Ehrgefühl, so droht ein konservativ gedachtes nationales System zu bröckeln, die Fahne bekommt Risse. Risse, die auch als Spuren der gegenwärtigen Strategien eines liberalen US-Staates, der seine globalen Grenzen zu schließen versucht, betrachtet werden können. [Textil erscheint in seiner Fragilität flexibel, die Nation ist in ihrer Flexibilität fragil.] Nach der Symbolhaftigkeit der Materialität einer Fahne fragend, betrachten wir nun den Betonabguss einer von der Witterung gezeichneten US-Fahne. Auf Sanders semiotische Theorie zurückkommend, haben wir es hierbei plötzlich mit einer seiner weiteren Zeichenkategorie zu tun: dem Indiz oder Indikator. Das Indiz zeigt auf etwas, weil es physisch damit in Verbindung steht. So, wie das sich drehende Windrad auf die Richtung des Windes hinweist, so wie die Textilfahne im Wind zu flattern beginnt, wenn dieser seine Richtung ändert. Die Indexikalität des Flaggen-Betonguss weist jedoch auf einen ganz andere physische Verbindung hin: Die Nation die stetig stehen zu bleiben, die die Transformation zu stoppen versucht und wieder als starres unnahbares Ding in Erscheinung tritt. Farblos präsentiert sich uns der neutralisierte Betonkörper – die Form und die Materialität bleiben die einzig sprechenden Komponenten. Die erst im Nahbereich erscheinenden Gebrauchsspuren des ursprünglichen Dings – der textilen Flagge – unterstreichen das was dessen Farbigkeit einst bedeuten hätte sollen: die Transformation einer Nation. Eine Nation, die wohl keiner Zukunft der offenen und friedvollen „Couleur“ entgegenzublicken vermag. Der dystopisch wirkende Betonguss der verschlissenen US-Fahne soll jedoch vielmehr als archivarisches Zeugnis einer Transformation gelten, deren identitäre Wurzeln keinen Nährboden in einer sozialen Weltgesellschaft finden werden.

 Alexander Schindler Berlin, am 7. Mai 2017

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Als kritische Zeugnisse postmoderner Rekombinationspraktiken, stellen uns die Objekte von ONCRETE vor die Grenzen der Erfahrbarkeit. Die täuschend echten Simulationen tierischer Trophäen zeugen von blutiger Aneignung der Natur durch die gewaltvolle Jagd. Ein Zurschaustellen des Umgangs vom Menschen mit dem Tier bevor die Domestizierung und später die pure Massenproduktion als effizientere Mittel Einsatz fanden. Praktiken also, die im Heute scheinbar keinen Platz mehr finden, weil sie der urbane Mensch nicht mehr vor Augen geführt bekommt.
Eine kulturelle Irritation auf Formebene findet statt. Jedoch so richtig wird unsere Wahrnehmung erst in der Gesamtheit des Objekts ausgespielt. Denn was hier eigentlich formt ist der Kontext in den die Anti-Trophäe eingebettet ist – das Material. Beton, dieses feingranulierte Gesteinsmaterial als Werkstoff eines Reproduktionsparadigmas galt einst als Material ohne Eigenschaft, als Bruch mit den Traditionen, als Zeichen einer Ära der grauen Anonymität. Eigentlich nicht der Stoff, den wir dekorativ zur Schau stellen, keine Trophäe, sondern lebloses Mittel zum Zweck.

Die ambivalente Kombinatorik aus reproduktionsfähigem Betonguss und eigentlich unikaler Tiertrophäe erschliesst sich dem Rezipienten als eine Art Kontextverschiebung von industrieller Massenproduktion zu vorzeitlicher Jagdpraxis. Die Verschmelzung epochaler Phänomene wirft einen unaufhörlichen Motor der Wahrnehmungsüberschreitung in Gang und lässt den Betrachter vor der Stille des Objekts rotieren. Jeder Augenblick und jede Berührung scheinen Täuschung und die Erfahrungen mit dem Werk verschaffen keinen höheren Grad der Sättigung. Die Gewohnheit als eigentlicher Effekt der visuellen Konsumation bleibt aus – zeitlose Betrachtung setzt ein.

Alexander Schindler, 2016

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Beton – Material der Moderne, Modelliermasse der Architektur, Möglichkeitsraum grenzenloser Formenpluralität. Als künstlich zermahlenes Gemisch ist dieses eigentlich (symbollose) Granulat ein symptomatisches Zeichen unserer Epoche: Der Mensch ordnet und formt die Dinge. Stein schaben wir nicht bloß ab, wir stellen diesen her und zwar in der Form, in der wir ihn zuhanden haben wollen. (Anm. Verweis auf Heideggers Zuhandenheit von Zeug) Diese Technik stellt die Triebfeder für Nikolas Goldschmidts und Leon Weinholds Gestaltungprozesse dar. Von urbanen Phänomenen inspiriert, testen die beiden Hamburger die Formgrenzen der Betonmodellierung aus und experimentieren mit den daraus resultierenden Bedingungen. Als „oncrete“ markiert, ruhen und wirken die daraus entstehenden Objekte im Inneren gebauter Räume. Das Rekombinieren spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie das Verschieben von Form und Kontext. Funktion, Symbolik und Material erwidern und negieren sich. Ambivalenz wird beobachtbar, Wahrnehmung irritiert.

Alexander Schindler, 2016

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F: Nikolas Goldschmidt & Leon Weinhold GbR

T: +49 151 70 85 71 52

A: Isestr. 47, 20144 Hamburg

E: info@oncrete.de