Beton – Material der Moderne, Modelliermasse der Architektur, Möglichkeitsraum grenzenloser Formenpluralität. Als künstlich zermahlenes Gemisch ist dieses eigentlich (symbollose) Granulat ein symptomatisches Zeichen unserer Epoche: Der Mensch ordnet und formt die Dinge. Stein schaben wir nicht bloß ab, wir stellen diesen her und zwar in der Form, in der wir ihn zuhanden haben wollen. (Anm. Verweis auf Heideggers Zuhandenheit von Zeug) Diese Technik stellt die Triebfeder für Nikolas Goldschmidts und Leon Weinholds Gestaltungprozesse dar. Von urbanen Phänomenen inspiriert, testen die beiden Hamburger die Formgrenzen der Betonmodellierung aus und experimentieren mit den daraus resultierenden Bedingungen. Als „oncrete“ markiert, ruhen und wirken die daraus entstehenden Objekte im Inneren gebauter Räume. Das Rekombinieren spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie das Verschieben von Form und Kontext. Funktion, Symbolik und Material erwidern und negieren sich. Ambivalenz wird beobachtbar, Wahrnehmung irritiert.

Alexander Schindler, 2016